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Braunschweig-Südstadt im Verband Wohneigentum Niedersachsen e.V.


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80 Jahre Siedlergemeinschaft - wie alles begann

Die Südstadt entstand zwischen 1936 und 1939 als nationalsozialistische Mustersiedlung, zunächst unter dem Namen Lehrsiedlung Mascherode geplant, dann wechselnd als Südstadtsiedlung Mascheroder Holz. An diesen Projekten des Reichsheimstättenamtes, “ Der Deutschen Arbeitsfront”, arbeiteten die “ Stuttgarter Schüler” Wetzel, Julius Schulte Frohlinde, Rudolf Rogler und Robert Ley . Die Siedlung wurde von der DAF für zunächst 2500 Menschen geplant, die in 600 Wohneinheiten unterkommen sollten. Im Mittelpunkt der Siedlung sollte neben dem Marktplatz ein Gemeinschaftshaus gebaut werden, das ganz bewusst die bisherige Rolle der Kirche einnehmen sollte. Trotzdem gab es eine” Kirchliche Arbeit”. Diese wurde ab 1937 in der Mascheroder Kirche von Pastor Wilhelm Ziegler übernommen. Erst am 20. Dezember 1953, wurde während eines Festgottesdienstes der neue Gemeindesaal St. Markus in der Südstadt eingeweiht. Probst Jürgens übergab den Schlüssel für das Haus an Pastor Ziegler. 1959/60 wurde dann die katholische Kirche St.Heinrich in der Südstadt gebaut. Am 19/20.11.1960 folgte dann die Konsekration ( Weihe) durch Bischof H.M. Janssen.

1938 wurden die Planungen für ca. 5500 Einwohner erweitert. Die Lehrsiedlung umfasste verschiedene Bautypen: Ein-und Mehrfamilienhäuser, Doppel-und Reihenhäuser. 150 Kleinsiedlungshäuser, 240 Eigenheime, 60 Mietwohnungen, 50 Volkswohnungen, 4 Geschäftshäuser, 1 Gemeinschaftshaus und 1 Schule sollten entstehen. Das Zentrum der Siedlung ist der Welfenplatz (damals Robert-Ley-Platz) mit dem Gemeinschaftshaus, das nach seiner Zwischennutzung als Kino auch Roxy genannt wird. Der Entwurf stammte von Albert Speer. Der Platz wurde ursprünglich vor allem für nationalsozialistische Organisationen angelegt, das Gemeinschafthaus diente ähnlichen Zwecken. Das Richtfest wurde am 27. Juli 1937 im Beisein des damaligen Ministerpräsidenten Dieter Klages gefeiert. Die Verkehrsverbindung in das Stadtgebiet bestand anfänglich nur bis zum Limbecker Hof, heute Bebelhof. Der weitere Weg musste zu Fuß bewältigt werden.

Bei Kriegsende wurde das Gebäude zunächst von den Amerikanern beschlagnahmt und als Kommandantur genutzt. Danach als Veranstaltungsort für Boxkämpfe. Am 2.Dezember 1949 feierte das“ Roxy Film Kasino“ mit dem Film „Die tolle Miss“ mit Gisela Pascal und Ray Ventura seine Premiere. Das Kino war mit 630 Sitzplätzen eines der größten in Braunschweig. Nach dem allgemeinen Rückgang der Besucherzahlen im Kino wurde dieses 1963 zu einem Supermarkt umgebaut. Weitere Räume wurden von der Schule, den Südstadtvereinen , Jugendgruppen , Kindergarten und dem Seniorenkreis genutzt. 1988 verkaufte das Land Niedersachsen, das seit 1953 Eigentümer des Roxy war, das Gebäude und Teile des Welfenplatzes an ein privates Unternehmen. ( Kanada Bau).

Neben dem Welfenplatz gibt es einen kleinen Markt an der Heidehöhe. In dessen Nähe liegt der am 31.Mai 1953 eingeweihte Herrman-Löns-Park mit dem Spielplatz und Bolzplatz. Während des Krieges befand sich auf dem Gelände ein Feuerlöschteich, ein weiterer war an der Retemeyerstraße gegenüber der Schule Mascheroder-Holz. Die Schule wurde nach den Plänen der Deutschen Arbeitsfront in den Jahren 1936-37 gebaut und am 7.Mai als „ Volksschule Südstadtsiedlung Mascheroder Holz“ eingeweiht. Sie dient jetzt als Grundschule.

Fast zeitgleich , im Jahre 1937 kam es zur Gründung der heutigen Siedlergemeinschaft Südstadt im Deutschen Siedlerbund Landesverband Niedersachsen. Für viele Neubürger war die Gartenbearbeitung und Kleintierhaltung eine große Umstellung, aber von großer Bedeutung. Die Nutzung des Gartens stellte eine erhebliche Ergänzung des hauptsächlichen Einkommens dar. Staatspolitisch war die Kleinsiedlung in der damaligen Zeit von höchster Bedeutung, sie sollte die werktätigen Arbeiter mit eigenem Grund und Boden versorgen und sie zu heimatverbundenen und politisch gefestigten Mitgliedern der „ Volksgemeinschaft“ machen. Durch eine besondere staatliche Förderung, Arbeitgeberdarlehen und in vielen Fällen zusätzlich durch sogenannte Muskelhypothek – sprich Selbsthilfe beim Bauaushub oder Dachgeschoßausbau- konnten vor nunmehr rund 80 Jahren zahlreiche Menschen, trotz bescheidener Vermögens-und Einkommensverhältnissen, in unserer Siedlung Eigentum erwerben. Für die Siedler und Eigenheimer in dieser Zeit war die Selbsthilfe und Nachbarschaftshilfe von weit größerer Bedeutung, als das heute der Fall ist, auch in Gestaltung der Unterhaltung und dem Gemeinsinn der Menschen untereinander.

Durch Erlass des damaligen Reichs-Arbeitsminister vom 19.01.1936 wurde den Ländern mitgeteilt, daß der „Deutsche Siedlerbund“ die alleinige Vertretung aller Heimstättensiedler und Eigenheimsiedler sei. Das war sicher auch in unserer Siedlung einige Monate später der entscheidende Auslöser, durch Zusammenschluss einer noch größeren Nachbarschaft zur gemeinsamen Interessenvertretung. Eine grüne Baracke an der Ecke Glaserweg/Luchtenmakerweg war das erste Versammlungslokal der neuen Siedlergemeinschaft.

Der Siedlerbund bot hier günstige Einkaufsmöglichkeiten für Haus und Garten an, z.B. Kartoffeln für die Winterbevorratung, Torf, Konservendosen, Hühnerfutter, Düngemittel usw.. Auch wurden Gerätschaften wie Leitern, Baumspritzen, Schlachtgeschirr und ähnliches zum Ausleihen an die Mitglieder bereitgehalten. Auch wurde mehreren Familien, die unverschuldet in Finanznot geraten sind, durch Mittel aus dem Sozialfond des Landesverbandes der Siedlergemeinschaft vorrübergehend geholfen. Kosten für diesen Fond: DM 2,00 bei Eintritt. Die besondere Sicherheit der Reichsheimstätte bestand in der absolut erstrangigen Eintragung in Abteilung II des Grundbuches und der erforderlichen Zustimmung des Ausgebers. Zwangsvollstreckungsmaßnahmen durch Eintragung von Zwangssicherungshypotheken waren ebenso unzulässig wie Vollstreckungen wegen nicht dinglich gesicherter Forderungen. ( RHeimstG von 1920) Ab 31.12. 1998 ist dieser Reichsheimstättenvermerk mittlerweile gegenstandslos. Dieses und viel zu Rechtsfragen, zu Haus-Grund-Gartenfragen sind in der im Beitrag enthaltenen Zeitschrift,” Familienheim und Garten” zu lesen.

Schon kurz nach dem Bezug der Häuser kamen auf die Siedler die schlimmen Einflüsse des zweiten Weltkrieges zu. Die Hauptlasten lagen nun auf den Schultern der Frauen, weil die Männer zur Wehrmacht eingezogen wurden. Jeder Zentimeter Garten wurde für die Versorgung genutzt . Die Siedler wurden aufgefordert, einen Teil ihrer Gemüse und Obsternten zu Gunsten der Stadtbevölkerung abzugeben. Die Kleintierhaltung war in voller Blüte, Schweine, Kaninchen, Ziegen, Hühner und andere Haustiere waren wichtig für die Versorgung der Menschen. Auf Schwarzschlachtung wurden hohe Strafen verhängt.

Der Deutsche Siedlerbund hat in allen Entwicklungsphasen dieser Siedlung die Mitglieder begleitet. Als ältester und größter Verein in der Südstadt macht sich die Siedlergemeinschaft stark, den Gemeinsinn, die Geselligkeit und das bürgerliche Engagement in der Südstadt weiter zu stärken. Die SGM hatte alle Mitglieder zu unseren Veranstaltungen eingeladen, wie unsere beliebte Braunkohlwanderung, eine Abendfahrt auf der Oker, Fahrt zum Weihnachtsmarkt in Bückeburg, Besichtigung des Deutschen Bundestag. Weitere Highlights: Kinder und Familienfest, Lampionumzug, Herbstfest und die Teilnahme am Weihnachtsmarkt in der Südstadt. Außerdem Informationsveranstaltungen von Fachleuten über Einbruchsvorsorge, Brandschutzeinrichtungen und Patientenverfügungen.

Während in der Vergangenheit der Gedanke der gegenseitigen Hilfe und der sozialen Gemeinschaft im Vordergrund stand, ist heute die Interessenvertretung der Wohneigentümer als wichtiger Aufgabenbereich dazu gekommen. Wir sind Teil von Deutschlands größtem Interessenverband für privates Wohneigentum , des Verbandes Wohneigentum e.V. ( VWE ). Der VWE hat bundesweit 370.000 Mitglieder und ist parteipolitisch und konfessionell unabhängig. Er dient dem Gemeinwohl, indem er sich in jeder zweckdienlichen Weise für die ideelle Förderung des Erwerbs, des Baus und Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum einsetzt. Seine Tätigkeit ist darauf ausgerichtet, die Allgemeinheit auf diesem Gebiet selbstlos zu fördern. Das Ziel aller Betätigung ist die Unterstützung bei Schaffung eines familiengerechten und gesunden Lebensraumes für jedermann.

Für den Vorstand der Siedlergemeinschaft Südstadt Fritz Molnar / Friedel Wolpert